Samstag, 25. Januar 2003
FM4 = 8, Arena Wien, 25.01.2003
Anläßlich seines 8. Geburtstages hat Österreichs im deutschen Sprachraum oft beneideter alternativer Paradesender FM4 seine Hörerschaft zur mittlerweile traditionellen Geburtstagsparty in die Wiener Arena eingeladen. Waren die Line-Ups der Jubiläumsfeiern der letzten beiden Jahre großteils nur auf deutschsprachige Bands beschränkt, konnte man diesmal mit der Asian Dub Foundation eine internationale Topformation begrüßen, für die dieser Auftritt eine willkommene Gelegenheit zur Promotion ihres neuen Albums „Enemy Of The Enemy“ darstellte, was auch Console und die Puppetmastaz nutzen wollten. Gleichzeitig wurde als weiteres Geburtstagsgeschenk auch die „FM4 Sound Selection 8“ präsentiert, die auszugsweise zwischen den Umbaupausen eingespielt wurde.
Wie der Zufall es will waren auch 8 das Trademark „FM4-Musik“ repräsentierende Acts und ein Großaufgebot an DJs, aufgeteilt auf 2 Hallen und eine Open Air-Bühne, aufgeboten, die die zahlreich erschienene FM4-Fangemeinde vor die Qual der Wahl stellten. Aufgrund des naturgemäß beschränkten Platzangebots in den beiden Hallen als auch der für viele Besucher interessanteren Bands entschieden sich die meisten für das Open-Air und trotzen winterfest bekleidet bzw. andersweitig aufgewärmt der Kälte.
Der etwas undankbare Job als Anheizer dieses Abends, was sich angesichts der frühen Stunde (18:00) nicht wenig überraschend auf die anfangs eher spärliche Zuschauerkulisse niederschlug, wurde den Würzburger Indierockern Miles zuteil, die einmal mehr ein exzellentes Live-Set boten, bei dem das mittlerweile als FM4-Klassiker einzustufende „Pretty Day“ natürlich nicht fehlen durfte.
Den gediegenen Gitarrenklängen folgten die Hip-Hop-Beats der Puppetmastaz, die zumindest all jenen ein Begriff sein dürften, die letztes Jahr mit dem Kauf eines Albums aus dem Hause Virgin/Labels-Albums die beigepackte Promo-DVD erworben haben, auf der ein Interview mit den gar nicht possierlichen Puppen inkludiert ist. Ausgehend von diesem Appetizer und den hinter diesem Projekt involvierten Personen wie etwa Gonzalez war eigentlich ein durchaus origineller Gig zu erwarten. Leider vermochten die 4 rappenden Berliner Puppen bzw. den im Hintergrund agierenden Musikern bereits mit dem ersten Track den Appetit auf mehr zu verderben, denn es wurde enervierender, unterdurchschnittlicher Hip-Hop serviert, zwischendurch unterbrochen von einem unlustigen pseudoklassenkämpferischen Duell und einem überflüssigen Tanzwettbewerb, weshalb sich die Begeisterung bei den Hörern sehr in Grenzen hielt. Ein Titel von „Creature Funk”, dem Debutalbum der Puppetmastaz nennt sich „Hip Hop Police“ und es bleibt zu hoffen, dass diese im konkreten Fall aktiv wird …
Glücklicherweise machten danach Mia mit ihren mitreißenden Neo-NDW/Elektropunk-Hymen wie „Kill For You, der aktuellen Single „Kreisel“,ihrer Neuinterpretation der DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ und natürlich ihrem aufsehenerregenden Debuthit „Alles neu“ diesen Tiefpunkt mehr als wett. Frontfrau Mieze gab einen weiteren Beleg ihrer atemberaubenden Bühnenpräsenz, ein deutliches Plädoyer gegen den Irakkrieg und hatte dazu noch unangefochten die Frisur des Abends.
Frisurentechnisch nicht ganz so hoch einzustufen war dagegen Notwist-er Thomas Kretschmann, was grundsätzlich und insbesondere für sein Seitenprojekt Console, für dass er sich mit der Sängerin Miriam verstärkt hat, die um das Wohl des Publikum besorgt war („Ist der Typ da unten OK?“), natürlich völlig unerheblich ist. Schließlich lag das Hauptaugenmerk beim ausgezeichneten Material seines aktuellen Albums „Reset The Preset“, das phasenweise an Röyksopp erinnerte und dementsprechenden reißenden Absatz bei Fans des dazugehörigen Genres finden sollte. Wie nicht anders zu erwarten hatte Kretschmann natürlich den Titel mit im Gepäck, der Console dank FM4 einen Popularitätsschub bescherte, nämlich das inzwischen legendäre „14 Zero Zero“, das natürlich für Begeisterung sorgte.
Entgegen der Ankündigung von Stermann & Grissemann, die neben FM4-Urgestein Martin Blumenau durch das Programm führten, dass Andreas, der zuletzt ausgeschiedene Teilnehmer bei „Starmania“ (Österreichisches Pendant von „Deutschland sucht den Superstar“) bei der Asian Dub Foundation mitspielen sollte, fand dieser Personalzuwachs glücklicherweise nicht statt, denn die Herren aus England konnten auch ohne Hilfe aus dem Burgenland ihren Status als Headliner dieses Festivals rechtfertigen. Ihre Mischung aus Drum’n’Bass, indischer Folklore, Rock, Ragga & Hip-Hop, die derzeit auch in Form ihrer aktuellen Single „Fortress Europe“ die FM4-Charts anführt, beseitigte jedliches Gefühl der Kälte, weshalb auch ein Großteil der Fans derart völlig außer Rand und Band geriet, als wäre man auf einem Festival mitten im Sommer.
Wenn man einmal von einigen Schönheitsfehlern absieht wie den hoffnungslos überfüllten Hallen, die viele am Lauschen zu Dzihan & Kamien Surrogat oder vor allem Patrice hinderten, Probleme mit den Eintrittskarten oder überflüssigen Puppenspielereien absieht war es dennoch eine gelungene Geburtstagsfeier, die allerdings mit der legendären „FM4=5“-Party mit Moby als Topact nicht konkurrieren kann. Freuen wir uns aber dennoch jetzt schon darauf, wenn es kommendes Jahr heißen wird: „FM4 - Alle Neune“
Samstag, 25. August 2001
Gürtel Nightwalk IV
Zunächst einige einführende Worte für alle Nichtwiener: Wenn man in Wien vom Gürtel spricht, meint man in erster Linie nicht das Accessoire, das einem davor bewahrt, die Hosen zu verlieren, sondern Wiens größte innerstädtische Verbindungssstraße oder aber auch Wiens führende Amüsiermeile, weshalb die an den Gürtel grenzenden Wiener Gemeindebezirke nicht wirklich als noble Wohnbezirke gelten. Deshalb hat man in den letzten Jahren verstärkt versucht, das Image dieser Bezirke etwas aufzupolieren. Eines der wichtigsten dementsprechenden Maßnahmen war die Revitalisierung der viaduktähnlichen ehemaligen Stadtbahnbögen, auf denen jetzt die U6 unterwegs ist und die früher großteils als Warenlager oder Werkstätten genutzt wurden. Mittlerweile etablierte sich dort dank namhafter Lokale mit Auftrittsmöglichkeiten wie dem Chelsea oder B 72 eine lebhafte Beislszene, die offenbar dafür verantwortlich war, daß sich das Bild des durchschnittlichen Gürtelbesuchers vom rotlichtsüchtigen Nachtschwärmer zum niveauvollen Musikfan gewandelt hat.
Mit dem Nightwalk, der mittlerweile zum 4. Male veranstaltet wurde, hat man auch heuer wieder versucht, mittels eines vielschichtigen Kulturangebots all jene, die bislang einen weiten Bogen um die Gürtellokale gemacht haben, dorthin zu locken. Diesem Lockangebot konnte ich heuer nicht wiederstehen, sollten doch unter anderem keine geringeren als die Rucki Zucki Palmencombo, die dank ihres Fernwehklassikers "Südseeträume" aus dem Jahr 1982 einen nicht unbeachtlichen Bekanntheitsgrad unter Wunschkonzerthörern und Wickie, Slime & Paiper-Fans erlangt haben als auch die überaus talentierte Linzer Formation Shy aufspielen.
Dank der verkehrsgünstigen Lage aller Nightwalk-Lokalitäten an der U6 sollte es an und für sich kein Problem sein, die selbigen zu finden. Als etwas schwierig erwies sich allerdings für den ortsunkundigen Schreiber dieser Zeilen die Suche nach der Grundsteingasse 15, wo sich ein Kulturzentrum befindet und die Rucki Zucki Palmencombo ab 19.00 aufspielen sollte, denn dank einiger offenbar auch nicht wirklich ortskundiger, aber dafür umso hilfsbereiter Passanten machte ich unfreiwillig eine kurze Sightseeingtour durch Ottakring, dem eine kräftige Imagepolitur sicherlich auch gut tun würde.
Nach einigen Irrwegen fand ich endlich doch noch die Grundsteingasse und bald auch die dazugehörige Nummer 15, erfuhr aber dort, daß sich der Auftritt der Rucki Zucki Palmencombo auf 20.00 verschieben würde. Zum Überbrücken der Wartezeit pilgerte ich zum nahegelegenen Chelsea, wo ich die Vorbereitungen der Wiener Popformation Echophonic die es mittlerweile zu einiger FM4-Prominenz gebracht hat, vor ihrem Auftritt gespannt verfolgte und mir nebenbei ein wohlverdientes Bier genehmigte.
Kurz vor 20.00 betrat ich wiederum die Räumlichkeiten der Grundsteingasse 15 und war einigermaßen überrascht, daß das Konzert nicht etwa in einer Halle, sondern in einem Raum, der maximal die Maße einer Fertigteilgarage hatte, stattfand und dem Publikumsansturm von rund 30 Personen gerade noch gewachsen war. Unter diesen Zuschauermassen dürften nicht Wenige gewesen sein, die sich von der Rucki Zucki Palmencombo nur „Südseeträume" und vielleicht ein paar peinliche bis überflüssige 50er-Reminiszenzen erwartet hatten, aber das in der klassischen Rock’n’Roll-Besetzung mit Gitarre/Bass/Schlagzeug und zwischenzeitlichen Mundharmonikaintermezzos groß aufspielende Dreier dachte nicht im geringsten daran, sich mit derartigen Belanglosigkeiten zufriedenzugeben und überraschte mit einer durchaus mitreißenden Show, bei der die Spielfreude des dynamischen Trios deutlich spürbar war und die sich eine größere Zuschauerkulisse verdient hätte. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, daß Ronnie Urini, seines Zeichens Originalschlagzeuger der Rucki Zucki Palmencombo und Urgestein der österreichischen Undergroundszene, leider nicht mit von der Partie war, aber er wurde äußerst kompetent von einem mir unbekannten Sonnenbrillenträger vertreten.
Repertoiremäßig beschränkte man sich nicht auf die von ihren 3 Singlehits bekannten Titel "Mann im Mond", "I kann di net vergessen" und natürlich "Südseeträume", sondern spielte eine Reihe von zumindest mir unbekannten, aber großteils perfekt ins Programm passenden Songs und überraschte sowohl mit einer Coverversion von Freddy Quinn’s unvergeßlichen Schmachtfetzen „Heimatlos" als auch einer auf den ersten Blick nicht erkennbare Verdeutschung von Elvis Presley’s „Heartbreak Hotel".
Nachdem nach knapp einer Stunde der letzte Ton verklungen war, hätte ich natürlich noch gerne mit den Bandmitgliedern über etwaige Zukunftspläne wie neue Platte, Tour etc. geplaudert, aber bedingt durch die zeitliche Verschiebung war es mittlerweile nach 21.00 und ich wollte noch etwas von Shy hören, die bereits um 20.30 vor dem B 72 zu spielen begonnen hatten
Also nix wie hin zur U-Bahnstation, untermalt von Echophonic, die kurz davor vorm Chelsea zu spielen begonnen hatten und mit der U6 ab Richtung B 72, dessen Name sich übrigens nicht weiter überraschend vom Stadbahnbogen Nr. 72 ableitet. Dort erhaschte ich leider nur mehr 3 Songs von Shy, aber es schien, als hätten sie bis zu meinem Eintreffen mit 3 ihrer besten Stücke auf mich gewartet, nämlich ihre aktuelle Single „Mr. Sunset", den Leider-Nicht-Klassiker „Kein Mann auf dem Mond" und schließlich ihre WG-Hymne „Frühstück für Slacker".
Damit war der Zauber auch schon wieder vorbei und es war absolut nachvollziehbar, warum Shy sich mit Zugaben zurückhielten. Das Ambiente war nämlich alles andere als motivierend für ernsthafte Musiker, denn es herrschte keine Konzert-, sondern Bierzeltatmosphäre, da ab der 4. Heurigenbankreihe von der Bühne entfernt politisiert wurde oder man sich über andere belanglose Dinge unterhielt, als Shy zu lauschen, die eigens „mit großer Besetzung" aufgetreten waren.
Da im B 72 nun ein DJ-Set folgen sollte und ich mir lieber Livemusik zu Gemüte führen wollte, wechselte ich den Schauplatz und wurde schon bald von den rauhen Klängen des Soulklassiker „Mustang Sally", der vor rund einem Jahrzehnt durch den Kinokassenschlager „The Commitments" reanimiert wurde, ins Cafe Carina gelockt. In dieser auch nicht gerade weitläufigen Lokalität waren die mir bis dato unbekannten Heanoisa Grantbriada, laut Pressetext „im Auftrog des Rockn Roi untawegs - Schlußendli is der Rockn Roi in Heanois auf'd Wöd kumman" (Für alle, denen der Wiener Dialekt nicht geläufig ist: „Im Auftrag des Rock'n'Roll unterwegs sind, schließlich habe der Rock’n’Roll seine Ursprung in Hernals", was natürlich nicht historisch belegbar ist), am Werk und das überraschend gut.
Als illegitime Söhne der Blues Brothers überzeugten die 5 zornigen Hernalser Brüder mit einer fulminanten Rhythm & Blues-Show, welche die Blues Brothers Revuen, die immer wieder durch die Lande ziehen, stimmungsmäßig und musikalisch eindeutig verblassen ließen. Gemäß dem bewährten Blues Brothers-Muster spielte der in der Besetzung Gitarre/Baß/Saxophon/Schlagzeug/Keyboard auftretende Brüder-Fünfer, dessen Bassist und Keyboarder für die Vokalparts verantwortlich waren, altgediente Rock & Soulklassiker, die allesamt live eine sichere Bank für gute Stimmung sind:„Suzy Q", „Papa Was A Rolling Stone", „Smoke On The Water", „Whole Lotta Love", „Sweet Home Alabama", „Unchain My Heart", „You Can Leave Your Hat On", bei dem stilgerecht ein Hut für freiwillige Spenden herumgereicht wurde, das unvermeidliche „Minnie The Moocher" und als abschließende Zugabe James Brown’s „I Got You - I Feel Good".
Das entfesselte Publikum im überfüllten Cafe Carina wollte die Heanoisa Grantbriada zunächst gar nicht mehr von der als Bühne verwendeten rund 10 m² großen Tanzfläche lassen, aber die Ankündigung, das nun eine weitere Formation folgen sollte, die ähnliche Euphorie verursachen sollte, glättete die Wogen der fast orgiastischen Begeisterung wieder. Laut Programmablauf sollte das die Fenzl Experience sein, die allerdings kurzfristig durch eine exotisch klingende Kombo namens Peko Lo Mania ersetzt worden war. Nach längerem Soundcheck und einigen technischen Problemen verwandelte sich deren stimmliches und optisches Aushängeschild, die zierliche Japanerin Tomoko "Peko" Toyoshima, die zuvor noch schüchtern und nervös die Umbauarbeiten und die Behebung der technischen Probleme verfolgte, in eine japanische Souldiva. Wäre Tomoko’s Landsfrau Yoko Ono gesanglich nur halbwegs so talentiert gewesen, hätte ihre Solokarriere vermutlich einen gänzlich anderen Verlauf genommen.
Aber nicht nur die Stimme überraschte, sondern auch die gut ausgewogene Auswahl der Coverversionen:„Moving On Up" (M’People), Kiss (Prince), „Word Up" (Cameo), „Baby I Love You" (Aretha Franklin), „Play That Funky Music" (Wild Cherry), „Smooth" (Santana), ein James Bond-Special, in dem „Goldeneye" und „Goldfinger",eingebettet waren und „Free Your Mind" (En Vogue) vermochten selbst die anspruchsvollsten Soul & Funkfans zu begeistern.
Als Zugabe wagte sich Tomoko und die gut eingespielte Backingband sogar über „Geh davon aus" von den Söhnen Mannheims, schreckte nicht vor Carole Kings "You’ve Got A Friend" zurück und beschloß den Auftritt mit „I Got You - I Feel Good", was vielen nicht nur ein akustisches Déjà Vu bescherte, sondern auch am Besten das Gefühl dieser lauen Sommernacht ausdrückte.
Sonntag, 13. Mai 2001
EIN ABEND IM VOGELKOT - SONG CONTEST 2001
Die Beiden besitzen ein Fischereibedarfsgeschäft, starten deshalb mit einem Angellied
Der sieht aus wie Uwe Kröger nach einer unbehandelten Paranoiastörung
„Own My Own", ein Lied über die Einsamkeit beim Morden, wenn man Nachts durch die Straßen streift.
Schnell noch Omas Tischdeckchen angezogen und dann raus zum morden
Sein linker Arm ist wie unbeweglich. Sieht mir ganz nach Ermüdungsbruch im Onaniearm aus.
Zum Gänsehautkriegen!
Mich würde nicht wundern, wenn jetzt ein Spezialkommando die Bühne stürmen würde
Gegen ihn ist Hannibal Lecter Bugs Bunny
5. Tal Sondak -Ein Davar (Never Mind) (Israel)
Er hat bei der Probe ja einmal versucht, mit 3 Frauen gleichzeitig ....
Oh Gott, jetzt holt er seinen Davar raus und durch alle 3 durch!
Von der Choreographie sind das bis jetzt die besten, oder? Stimmt, die sind die Ersten die sich bewegen
Der Mann der erektile Dysfunktionen nicht kennt
Bei dem merkst du schon, daß sie in Rußland natürlich weniger Geld haben und sehr, sehr billige Drogen nehmen müssen.
Kuck mal was da raushängt bei dem. Hat der eine Krawattte am Penis festgemacht? Ein Penisring?
In Wahrheit müßte das auf ARTE als Themen-Abend über Geisteskrankheiten laufen und nicht in einem regulären Unterhaltungsprogramm
Dagegen ist "Pornojäger" Martin Humer Hugh Hefner
...und ich Trottel bin aus der Kirche ausgetreten
17. Nusa Derenda - Energy (Slowenien)
Freitag, 16. Februar 2001
Christoph & Lollo
Rechtzeitig zum Start der nordischen WM in Lahti präsentierte das durch die FM4-Show „Salon Helga" zu einiger Prominenz gelangte Duo Christoph & Lollo im Wiener Virgin Megastore ihr aktuelles Album „Mehr Schispringerlieder". Dank FM4-Powerplay ihres derzeitigen Hits „Funaki" und ihren Auftritten als Support-Act bei der Heinz-Tour hat sich ihre Fangemeinde in nur kurzer Zeit vervielfacht, was bei diesem Promotiongig deutlich erkannbar war, denn selten war dort bei ähnlichen Events der Publikumsandrang dermaßen groß.
Ausgestattet mit Gitarre, Bierflasche, zweistimmigen Gesang und jeder Menge Understatement und Selbstironie lieferten die beiden den Beweis, daß man auch mit diesen simplen Mitteln tatsächlich die Quintessenz des Rock’n’Rolls glaubwürdiger offerieren kann als so manche überschätzte Alternative Rockband, ganz zu Schweigen von zahlreichen zu unrecht hochgejubelnden „Unplugged"-Alben (natürlich mit Ausnahme von „Unplugged in New York" von Nirvana). Hier stimmt jeder Gitarrenakkord, die raffiniert formulierten und nur oberflächlich trivialen Texte pendeln zwischen Ironie und Melancholie und das gesangliche Spektrum bewegt sich zwischen Fröhlichkeit und Frustation. Diese Mischung ist für einen Großteil der FM4-Hörerschaft sicherlich äußerst ansprechend und dürfte vermutlich dazu führen, daß so manches Schispringerlied im kommenden Sommer bei Zeltlagern rund ums Lagerfeuer ertönen wird.
Anläßlich dieses Kurzauftitts konnte man mit „Milchgesicht", „Blaz Vrhovniks Schuld", „Bredesen, Espen" und „Ole Gunnar Fidjestoel" einige der zukünftigen Lagerfeuerfavourites hören. Zusätzlich mutierte das auf dem neuen Album befindliche „Pfingstlied" aus Aktualitätsgründen zu einer Huldigung an "Svenke Falkestad", wobei dieser Springer wohl selbst den eingefleischtesten Hardcore-Schisprungfans nicht geläufig sein dürfte. Natürlich durfte auch „Funaki" nicht fehlen und Christoph & Lollo verpaßten der Hommage an den japanischen Springerstar zusätzliche Lyrics, wobei die Textzeile „In intimen Momenten hört er gern Ö3" für einiges Gelächter sorgte und endlich das Geheimnis gelüftet wurde, warum bislang die ÖSV-Springer von den beiden verschont wurden.
Dieser gelungene Promotionauftritt dürfte zahlreiche schisprungunkundige Virginkunden zu Fans gemacht haben und sollte für die Verkaufszahlen der „Schispringerlieder" nicht abträglich sein. Daß er für die Fans natürlich viel zu kurz war, ist aber nicht „Blaz Vrhovniks Schuld" .
Samstag, 2. September 2000
Plattenbörse Wiener Stadthalle, 02.09.2000
Nach der langen Sommerpause hatten Plattensammler am 2/3. September 2000 in der Wiener Stadthalle wieder Gelegenheit, sich durch das üppige Angebot an Tonträgern aller Art zu wühlen. Speziell eine große Menge frisch aus den USA importierten Alben in großteils erstklassigen Zustand zum Dumpingpreis von öS 25,- lockte viele an und da konnte natürlich auch ich nicht widerstehen, wie Blondies “Eat To The Beat” und die beiden Bread-Alben belegen. Was ich sonst noch alles gekauft habe verrät ein Blick auf das untenstehende Foto und die dazugehörigen Detailinformationen.
Unlängst stieß auf eine Auflistung der meistgehaßten Hits aus den Siebzigern , in der Jeannette mit „Porque Te Vas" den stolzen achten Platz einnahm. Würde ich ein derartiges Ranking machen, wäre Jeanette da sicher nicht dabei, denn hier handelt es sich meiner Meinung nach um eine der interessantesten spanischen Produktionen überhaupt.
Blondie - Eat To The Beat (LP)
Bread - The Best Of (LP)
Bread - The Best Of Vol. 2 (LP)
Gigliola Cinquetti - Non Ho L’eta (Single)
Dauerfisch - Crime Of The Century (CD)
Hot Butter -Popcorn (Single)
Jeanette - Porque Te Vas (Single)
Bereits 1974 aufgenommen und aus unerfindlichen Gründen erst 1977 in unseren Breiten ein Hit (A # 13, D # 1) besticht der Song in erster Linie durch Jeanettes prägnante Stimme. Diese ist vergleichbar mit der des ehemaligen französischen Popsternchens Vanessa Paradis („Joe Le Taxi" (1987; D # 8,UK # 3,), „Be My Baby" (1992; A # 19, D # 10, UK # 6; produced by Lenny Kravitz), allerdings ist bemerkenswert, daß Jeanette zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 23 Jahre alt war.
Aber nicht nur die Stimme macht den Charme dieser Platte aus, sonder die Kombination aus mäßigen Rhythmus, der sich aber plötzlich und unerwartetet beim Refrain zum Reggae entwickelt, jede Menge Hi-Hat-Einspritzer, der Tenorsaxophon-Übergang vor jeder Strophe und die bestechend fetten Bläsersätze.
Nach „Porque Te Vas" konnte sich Jeanette auf der mitteleuropäischen Showbühne nicht mehr durchsetzen und konnte ihre Hits nur mehr auf die iberische Halbinsel beschränken. Keine Ahnung, ob sie später auch in Frankreich gepunktet hat, aber zumindest habe ich mit der Single „Il me plait bien ton frere" (1976) einen Hinweis, warum es mit Nachfolgehits bei uns nicht mehr geklappt hat: Der Song ist eine typisch unoriginelle, Song-Contest-Taugliche Ballade, die höhepunktslos nur so vor sich hinplätschert und nicht einmal Jeanettes Stimme kann daran was retten. Wenn ihre Nachfolgesingles nach diesem Schema gestrickt waren, wundert mich der ausbleibende Erfolg hierzulande nicht im Geringsten.
Natürlich muß ich zugeben, daß diese Scheibe vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber wie bei so vielen Platten, die ich im Laufe der Jahre angesammelt habe, spielt aber hier ein gewisses Maß an Nostalgie eine entscheidente Rolle ...
(6/10 Musik, 9/10 Nostalgiefaktor)
Maggie Mae - I'm On Fire (Single)
Original Fast Remix Poidln - Alle meine Lieda (Maxi)
Pearl Jam - 10 (CD)
Pearl Jam - vs. (CD)
Terranova - Close The Door (CD)
Titanic - Titanic (LP)
Barry White - Can’t Get Enough (LP)
Various Artists - Disco Raritäten Vol. 3 (LP)
Various Artists - Youth Club Classics 1961-63 (CD)
Mittwoch, 18. August 1999
TWO DAYS A WEEK 99, Wiesen, 18./19.August 1999
1999 war in vielfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Jahr: Die Angst vor dem Millenium-Bug trieb die seltsamsten Blüten, die Sonnenfinsternis warf schon Monate davor ihre Schatten weit voraus und in Österreich wollte man mit "Woodstock 99" neue Maßstäbe in Sachen Festival setzen.
Austragungsort sollte das Flugfeld in Wiener Neustadt sein, das davor Pink Floyd, die Rolling Stones oder U2 bespielten und 2004/05 mit dem "Aerodrome" eine kurze Renaissance erlebte. Trotz angekündigter Topacts wie Metallica kamen aufgrund des schleppenden Kartenvorverkaufs sowohl "Woodstock 99" als auch das als Ersatz geplante „Sundance 99“ allerdings nicht zustande. Glücklicherweise setze sich dieser Trend nicht bei den Festivals in Wiesen fort, wo neben dem mittlerweile traditionellen Forestglade auch erstmals das "Two Days A Week" (für Akronym-Freaks auch bekannt als 2DAW) veranstaltet wurde.
Nachträglich muss man eigentlich froh sein, dass "Woodstock 99" in den USA stattfand, denn dieses Großereignis endete, mittlerweile freilich längst vergessen bzw. verdrängt, in Chaos und Anarchie. Das Inferno begann bezeichnenderweise mit dem Auftritt der Red Hot Chili Peppers, die auch als Headliner beim 2DAW gastieren sollten. Da aber von den bekanntermaßen doch zivilisierten österreichischen Musikfans derartige Tumulte eher nicht zu erwarten waren und auch die anderen angekündigten Bands ein tolles Line-Up versprachen war es eigentlich unumgänglich, sich einen 2-Tages-Paß zuzulegen.
Tag 1
Die Ehre, das 2DAW eröffnen zu dürfen wurde den damals noch völlig unbekannten Garish zuteil, an deren Auftritt sich angesichts der frühen Stunde wohl nur mehr die Bandmitglieder erinnern dürften. Die südburgenländischen Schwermetaller Cameran überraschten mit einer Show, die ihren unbestreitbaren Vorbildern Korn durchaus um nichts nachstand. Als eigentliche Überraschung des ersten Festivaltages entpuppten sich allerdings die Briten Dark Star, die mit ihrem irgendwo zwischen Radiohead und Soundgarden einzustufenden Soundmix vermutlich etliche Festivalbesucher dazu bewogen haben, sich ihr feines Album "Twenty Twenty Sound" zuzulegen. Stimmungsschwankungen verursachten hingegen die britischen Folkrocker Levellers mit ihrer mäßig spannenden Mischung aus Folk und Britpop, die erst bekömmlicher wurde, als sich ein Didgeridoo-Spieler dazugesellte und härtere Klänge angeschlagen wurden.
Nach längerem Soundcheck und einer stolzen Ankündigung des Veranstalters ("Mir san sold out!") sorgten Supergrass mit ihren Britpop/Punkrock-Großtaten „Caught By The Fuzz“, „Mansize Rooster“, "Alright" oder "Sun Hits The Sky" als auch etlichen delikaten Kostproben aus ihrem damals eben erschienen selbstbetitelten Album für den ersten wirklichen Höhepunkt und damit nebenbei auch für die perfekte Einstimmung auf die allseits mit Spannung erwarteten Red Hot Chili Peppers
Die hohen Erwartungen wurden noch übertroffen, denn Anthony Kiedis & Co. begeisterten mit merklicher Spielfreude über 80 Minuten großteils mit dem exzellenten Songmaterial ihrer Alben "Blood Sugar Sex Magik" und "Californication", wobei Gitarrist John Frusciante die Songs phasenweise mit Improvisationen würzte, was die Wirkung von Hymnen wie "Give It Away" oder "Around The World" erheblich steigerte. Da konnte man auch verschmerzen, dass bei "Under The Bridge" hunderte Feuerzeuge das Festivalgelände in ein Lichtermeer tauchten und damit fast schon für eine Band dies Genres eine völlig ungewohnte Stimmung aufkam, die man eher bei Boygroup-Konzerten oder erwarten würde.
Tag 2
Der zweite Festivaltag begann mit den Tiroler Crossover-Heroen Schneiderberg, die angesichts der frühen Beginnzeit fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielten. Ähnliches gilt für die Formation Rosarot, die sich offenbar als österreichisches Pendant zu Bands der Hamburger Schule verstanden, aber aufgrund einer massiven Überdosis an Pathos als auch der übertriebenen Inbrunst des Sängers kläglich scheiterten und so eher für unfreiwillige Komik sorgten.
Die US-Punkrocker Lit sollten laut den Tourdaten auf ihrer Homepage auf dem "Weisen Open Air in Vienna" spielen, hatten aber glücklicherweise doch noch nach Wiesen gefunden, wo sie ihr hierzulande völlig untergegangenes Album „A Place In The Sun“ präsentierten. Rückblickend ist es eigentlich kaum verständlich, dass sich die Band trotz ihres unbestreitbaren Potentials lediglich im kurzlebigen Erfolg ihres einzigen Hits „My Own Worst Enemy“ sonnen durfte.
Weitaus beständiger ist bekanntlich die Karriere von Tocotronic, die nach anfänglichen Tonproblemen den Titel ihres damals gerade aktuellen Hits "Let There Be Rock“ dank ihrer unschlagbaren Hymnen wie „Sie wollen uns erzählen“ oder „Jackpot“ beeindruckend umsetzten und für Begeisterung sorgten.
Weit weniger Publikumszuspruch hatte hingegen die leider viel zu früh verstorbenen Ex-Clash-Legende Joe Strummer und seine Band Mescaleros. Offenbar wusste die Generation der nach 1980 Geborenen, die an diesem Tag überproportional vertreten war, nicht um die richtungsweisende Bedeutung von The Clash, weshalb sich viele stattdessen eine Erfrischungs- oder Erleichterungspause gönnten. Der Zuschauerschwund ging sogar so weit, dass der Veranstalter die Besucher ersuchen musste, etwas zahlreicher zur Bühne zu kommen. Wer dieser Aufforderung nachkam belohnte ein trotz (oder genau wegen) der schütteren Kulisse groß aufspielender Joe Strummer mit Songs aus seinem sträflicherweise unterschätzen Album “Rock Art And The X-Ray Style" und natürlich den unvermeidlichen Clash-Klassikern "London Calling" oder "Rock The Casbah"
Nach dieser Lektion in Sachen klassischer Punk fand die New School of Punk, die Offspring danach inszenierten, ungleich mehr Zuspruch. Bevor es allerdings soweit war musste man einen schier endlosen Soundcheck über sich ergehen lassen, ehe man zu den unschlagbaren Mitsinghymnen wie "All I Want", "Pretty Fly“ oder „Gone Away“ mitgröhlen konnte. Zwischendurch lieferten Offspring einige Überraschungen, etwa einen Kurzauftritt der als Special Guests (wenn auch glücklicherweise nur als Puppen) rekrutierten Backstreet Boys.
„Feelings, for all my life I'll feel it.“ heißt es in der Punkversion der Morris Albert-Schnulze "Feelings", mit der Offspring für einen stimmungsvollen Ausklang des zweiten Festivaltages sorgten und treffender kann man die die in jeder Hinsicht gelungene erste Auflage des 2DAW gar nicht umschreiben. Angesichts des üppigen Line-Ups war es für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Musikfans die Festival-Premiere und deshalb werden es viele nie vergessen.
