Sonntag, 13. Mai 2001

EIN ABEND IM VOGELKOT - SONG CONTEST 2001

Wie auch in den Jahren davor war beim Eurovisions-Songcontest 2001 nicht die musikalische (?) Darbietung oder dessen optische Umsetzung der Höhepunkt, sondern die via FM4 ausgestrahlten simultanen Kommentare vpn Dirk Stermann & Christoph Grissemann zu den gezeigten Darbietungen der mehr oder weniger wackeren Songcontest-Dummies, die um die begehrte, dem Nike-Symbol nachempfundenen Trophäe wacker kämpften.

In den Postings von FM4 konnte nach der paneuropäischen audiovisuellen Prostutition, von Stermann/Grissemann im letzten Jahr auch als „Karawane des Grauens" bezeichneten Veranstaltung lesen, das deren Leistung für viele nicht zufriedenstellend war und mit den Darbietungen der letzten Jahre nicht mithalten konnte..

Zugegeben, die Beiden waren schon einmal besser in Form, vielleicht hatten sie sich auch nur an das Niveau des Songcontests angepaßt, aber dennoch waren sie um Welten besser als an so manch andere vom ORF zwangsverordneten Unterhaltung, die eher die Darmperistaltik anregt als das Zwerchfell erschüttert.

Im Folgenden präsentiere ich eine Auswahl an den gelungensten Stichworten, Wortfetzen und Kommentaren, die vermutlich bei Vielen meist im Lachen untergegangen, überhört oder falsch bzw. nicht verstanden wurden. (In Klammer Anmerkungen zum besseren Verständnis)

Allgemeines über den Songcontest

Toleranz sollte Grenzen haben

Bonjour Tristesse

Ein Fest für Österreich: Die Welt ist angetreten, um sich bei Österreich für die ungerechten Sanktionen zu entschuldigen

Das Logo stammt von einem Kind, das unter Epilepsie leidet (Zum aus meheren Elypsen bestehenden Logo des diesjährigen Songcontests)

Kylie Minogue mit Vogelscheiße am Kopf (über die Moderatorin und deren ungewöhnlichen Kopfschmuck)

Über die Vorjahressieger Olsen Brothers:

Sie haben für diesen Abend unbezahlten Freigang aus der Trinkerheilanstallt erhalten.
Das Einzige, was sich seit ihrem Gewinn beim Songcontest geändert hat sind die Leberwerte

Sie tragen praktischerweise gleich schwarz, damit man sie, falls sie bei diesem Auftritt an Altersschwäche oder Suffschwäche sterben, gleich in den Sarg legen kann

Die dummen Dänen glauben offenbar, die Olsen Brothers haben schon wieder den Songcontest gewonnen und schießen ein Feuerwerk ab (Beim Auftritt der Olsen Brothers wird ein Feuerwerk entzündet)

Vor ihrem Sieg waren sie obdachlos, nun sind sie es nicht mehr, denn jetzt haben sie zumindest eine Homepage.

1. Michelle - Out On My (Holland)

Sie war früher eine Dealerin, die in Amsterdam Haschisch, Kokain und Hagenbuttentee verkauft hat, ist ein Anhänger des Nazikriegsverbrechers Klaus Barbie und spielt mit dessen Puppen

Oh Gott! Wer hat ihr den Rollstuhl geklaut? (Michelle samt ihren Backgroundsängerinnen räkeln sich in einer sehr unorthodoxer Choreographie am Boden)

Wer hat die Choreographie gemacht? Christopher Reeves?

Ein Wunder! (Gegen Ende stehen plötzlich alle wieder auf)

Kalorienverbrauch bei diesem Auftritt: 0

Da ist alles rasiert, nur die Oberarme nicht

2. Two Tricky – Angel (Island)

Die Beiden besitzen ein Fischereibedarfsgeschäft, starten deshalb mit einem Angellied

Sie arbeiteten früher als Dummies für Schlachtschußapparate

Diese Zwangsjacken gibt es bei H & M (Über die Sakkos)

Hey ist das nicht Sabrina Setlur? Hat die heruntergewirtschaftet .. (Zu einer farbigen Backgroundsängerin)

3. Nino Prses – Hano (Bosnien-Herzegowina)

Eine billige Anbiederung an "Taxi Orange" (über sein oranges Outfit, bestehend aus orangen Overall und oranger Kappe)

Nino hatte vor einigen Jahren eine Magendarmtrakttransplation und hat jetzt einen albanischen Magen und einen serbischen Darm und hat deshalb ziemliche Verdaungsprobleme

Ist Hare Krishna in Bosnien so beliebt? (Zu dem indisch inspierierten Song)

Hat der schon seine Füße aufgehoben oder ist der festgetackert? (Über seine eher statische Performance)

4. Haldor Lægreid - On My Own (Norwegen)

Mäht für 20 Nachbarn den Rasen, trinkt nur ein Bier, wenn man ihn dazu auffordert, kann über 400 Muttertagsgedichte. Unser norwegischer Freund hat aber auch eine dunkle Seite. Haldor ist der grausamste Serienkiller Norwegens. Abgründe tun sich jetzt auf, jetzt wird es psychopathisch.

Der sieht aus wie Uwe Kröger nach einer unbehandelten Paranoiastörung

„Own My Own", ein Lied über die Einsamkeit beim Morden, wenn man Nachts durch die Straßen streift.

Schnell noch Omas Tischdeckchen angezogen und dann raus zum morden

Sein linker Arm ist wie unbeweglich. Sieht mir ganz nach Ermüdungsbruch im Onaniearm aus.

Zum Gänsehautkriegen!

Mich würde nicht wundern, wenn jetzt ein Spezialkommando die Bühne stürmen würde

Gegen ihn ist Hannibal Lecter Bugs Bunny

5. Tal Sondak -Ein Davar (Never Mind) (Israel)

Tal Sondak führt in Tel Aviv einen heruntergekommenen Swingerclub und ist so stolz auf seine Potenz, daß er sich selber der Rammler von Ramla nennt. Er tritt heute mit seinen Kollegen aus dem Swingerclub auf. Sein Davar, sagt er, ist über 25 cm lang. Da können wir, die nicht so üppig ausgestattet sind, nur sagen: „Wahnsinn, was für ein Davar!"

Er hat bei der Probe ja einmal versucht, mit 3 Frauen gleichzeitig ....

Oh Gott, jetzt holt er seinen Davar raus und durch alle 3 durch!

Von der Choreographie sind das bis jetzt die besten, oder? Stimmt, die sind die Ersten die sich bewegen

Der Mann der erektile Dysfunktionen nicht kennt

6. Mumiy Troll - Lady Alpine Blue (Rußland)

Liebe Österreicher! Ein Fest für Österreich haben wir versprochen und genau das ist es auch. Wir alle erleben jetzt einen besonderen Moment: Eine Weltmacht entschuldig sich bei Österreich für die ungerechten Sanktionen und noch viel mehr: Der russische Vertreter singt ein zärtliches und gefühlvolles Liebeslied für die amtierende österreichische Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Er ist Hofnarr bei Wladimir Putin und hat sich während der Ski-WM in St. Anton zuerst in die österreichischen Berge und dann in die attraktive FPÖ-Vorsitzende Susanne Riess-Passer verliebt. Er ist bereits russisches FPÖ-Mitglied und als einziger Russe überzeugter Gegner der EU-Osterweiterung

Bei dem merkst du schon, daß sie in Rußland natürlich weniger Geld haben und sehr, sehr billige Drogen nehmen müssen.

Kuck mal was da raushängt bei dem. Hat der eine Krawattte am Penis festgemacht? Ein Penisring?

In Wahrheit müßte das auf ARTE als Themen-Abend über Geisteskrankheiten laufen und nicht in einem regulären Unterhaltungsprogramm

7. Friends - Listen To Your Heartbeat (Schweden)

Die Beiden sind 2 othodoxe, evangelische Priesterinnen, nix anderes als Enthaltsamkeit im Kopf haben. Sie sind wegen zu großer Bibeltreue aus dem Engelswerk ausgeschlossen worden. Sie treten offen für die Inquisition ein und praktizieren sie auch. Den Papst lehnen sie ab, der ist ihnen zu jung und zu links

Dagegen ist "Pornojäger" Martin Humer Hugh Hefner

...und ich Trottel bin aus der Kirche ausgetreten

8. Skamp - You Got Style (Litauen)

Dumm & Dümmer aus einer litauischen Schaumdiscothek

Beim „Hair"-Casting so was wie durchgefallen

9. Arnis Mednis - Too Much (Estland)

War 1982 in der Volkshochschule in Riga Schweinchen Dick

10. Vanna - Strings Of My Heart (Kroatien)

Sie ist Cevapcici-Fooddesignerin in Zabreb, starke Nichtraucherin und riecht fürchterlich aus dem Mund nach antialkoholischen Getränken, diese Grüne Tee-Fahne ist praktisch nicht aushaltbar

Sie ist ein Fan der Weltkriege, besonders von Giftgasangriffen im 1.Weltkriegs

Eine facettenreiche Frau, leider sehen wir hier ihre ödeste Facette

Was trägt sie da an den Ohren? Das ist die Hirnanhangdrüse

(Sterman/Grissemann dürfte es entgagen sein, aber ich entdeckte bei diesem Auftritt hier keine Geringere als Verkehrsministerin Monika Forstinger als Geigenspielerin)

11. MTM - Só sei ser feliz assim (The Only Way) (Portugal)

Das Einzige, daß sie verbindet ist, daß sie im Arbeitsamt neben einem Radio gesessen sind

Das offizielle Gesicht zur Zeckenimpfung 2001

Dick & Doof aus Portugal

Lichtdoubles für Miami Vice

Beim Casting für diesen Auftritt suchte man vermutlich zwei zeigefreudige Typen ohne Hals mit viel Tagesfreizeit

12. Gary O'Shaughnessy - Without Your Love (Irland)

Im gehören 4 Pubs, ein Teil der IRA, eine Handyfirma, der öffentliche Verkehr und das gesamte Kleingeld Irlands

Man muß nur Angst haben, das bei ihm das Handy läutet

13. David Civera - Spain Dile que la quiero (Tell Her That I Love Her) (Spanien)

Er strebt eine Brieffreundschaft mit Enrique Iglesias an und hat mit Julio geschlafen

149 cm geballte Energie

14. Natasha St-Pier - Je n'ai Que Mon Âme (Only My Soul) (Frankreich)

Sie joggt nicht, um die Erde zu schonen, ist Bulemistin und hat nicht den Anstand, sich zu übergeben

Das Kleidchen hat sie um 29,90 aus dem 10 Schilling-Shop

Wenn das Romantik ist bin ich froh, daß ich immer gleich zur Sache komme

15. Sedat Yüce - Sevgiliye Son (Good-Bye My Love) (Türkei)

Hat beim Lange-Nasen-Wettbewerb in Ankara den 4. Platz belegt

16. Lindsay Dracass - No Dream Impossible (England)

Sie ist das offizielle Gesicht zur Maul- und Klauenseuche

Sie ist ein Findelkind, das erst vor einigen Wochen bei Oxford von einem Landwirt gefunden worden ist. Sie ist von einem Huhn aufgezogen worden, hat deshalb in ihrem Leben nur Eier gegessen ernährt. Ihr Cholesterinwert liegt bei 365.000, was absoluten Weltrekord bedeutet.

17. Nusa Derenda - Energy (Slowenien)

Wenn sie sich hin und wieder in Hotelzimmern den Pay-TV-Kanal anschauen, wird ihnen die slovenische Starterin bekannt vorkommen.

Nusa ist, ohne ihr nahettreten zu wollen, die dümmste Nuß im Starterfeld: Als Go-Go-Tänzerin hat sie in den frühen 90ern schon versagt, da sie immer wieder gegen die Stange gelaufen ist

deprimierende Puff-Musik

18. Piasek - 2 Long (Polen)

Er ist ein polnischer Exzentriker, der mit einem Rudel Wölfen zusammenlebt. Diese Wölfe haben ihm im Übrigen auch das Singen beigebracht.

Piasek ist ein Fellexzentriker, das heißt, er schläft immer auf Fellen, hat Sex mit Tierfellen, er nennt das Fellatio

Seine Backgroundsängerinnen: von wegen keine österreichische Beteiligung, das sind die Roundergirls, allerdings nicht in Bestform

Es ist interessant, wie man aus einem Tier Jacke und Frisur machen kann

Die Sängerinnen sehen aus wie die Phasen einer Schlankheitskur, vorher-nachher, von Rechts nach links

19. Michelle - Wer Liebe lebt (Who Lives for Love) (Deutschland)

Ein weiterer großartiger Coup von Walt Disney’s Erben: Deutschland hatte die Idee, dem berühmtesten Einwohner Entenhausens Leben einzuhauchen. Eine Weltsensation: Für Deutschland am Start: Donald Duck!
In der Pressemappe steht, Michelle hat eine harte Kindheit gehabt. Das war die Zeit, als sie mit Mathias Reim zusammen war

20. Tanel Badar & Dave Benton - Everybody (Estland)

Für Estland starten 2 Raumpfleger, die beim Staubsaugen ihre Liebe zur Musik erkannt haben

Der sieht aus wie Schweinchen Dick. Auch nicht unbedingt eine Galleonsfigur für die Sendereihe „Leichter Leben" im ORF

Der Linke hat ein Vogelnest auf dem Kopf, von dem Vogel, der der Moderatorin auf den Kopf geschissen hat.

Nein,in Estland gibt es andere Sitten bei den Friseuren. Weißt du die Friseuere schneiden dort nicht, sie beißen einfach in die Haare rein

21. Fabrizio Faniello - Another Summer Night (Malta)

Fabrizio Faniello lag einmal bei einem Leonid Breschniew-Augenbrauen-Wettbewerb relativ weit vorne

Alles klar... .Schwulenstrich La Valetta

Das sind keine Brüste, das sind Einfamilienhäuser! (über die üppig ausgestattete Backgroundsängerinnen)

Kann mir gut vorstellen, wie der Produzent sagt "Ich brauch mal irgend nen Stricher und ein paar Frauen mit ordentlich Melonen"

22. Antique - Die For You (Griechenland)

Im Backgroundchor werden sie eine Dame bemerken, die als Vorlage für den Koloss von Rhodos stand

23. Rollo & King - Never Ever Let You Go (Dänemark)

Das kann man nicht mehr ernstnehmen

Wer Rollo & King heißt, dem steht die Welt nicht unbedingt offen

Rollo & King komplett chancenlos (wurden schlußendlich Dritte..)

Nach den Auftritten bzw. vor der Punktevergabe folgte ein Einstieg von einer Songcontest-Party aus Graz, moderiert von FM4-Chefconferencier Hermes, der die etwas ungewöhnlichen Fragen wie folgt beantwortete.

Welches Lied eignet sich am besten als offizielle Hymne zur Maul & Klauenseuche?

Eindeutig Malta

Welches Gesicht eignet sich am Besten zum offiziellen Gesicht der Maul & Klauenseuche?

Bei Norwegen sind die meisten Gäste schreiend weggelaufen, weil dieser Mann verglichen wurde mit dem Bild von Edvard Munch „Der Schrei"

Für die letzten 3 Fragen haben wir eindeutig für die Moderatoren gestimmt, aber das ging ja leider nicht:

Welchen Starter glaubt man schon einmal beim Ladendiebstahl beobachtet zu haben?

Michelle aus den Niederlanden. Sie hatte keine Schuhe, die hat sie wahrscheinlich noch nicht gestohlen, aber an ihren Kleidungsstücken sind immer so kleine Preiszettelchen gehangen, das war eindeutig

Welcher Starter hat noch nie gebumst?

Ihr habt ja letztes Jahr für Dänemark gesungen, und auch heuer war wieder ein Österreicher dabei, nämlich Hannes Kartnig, der Dicke mit dem Bart aus Dänemark. Wir wollten zuerst eigentlich dafür stimmen, da er bis jetzt nur Sex mit dem Auspuff seines Rolls Royce und Enten hatte, aber das heißt ja wieder er hat schon gebumst.

Deswegen haben wir uns für Michelle aus Deutschland entschieden. Sie hat zwar 2 Kinder, aber ihr kennt ja die alte Boris Becker-Geschichte, Oralsex und so und Michelle hat sicher noch nie gebumst, denn dieser Mund ist sicher nicht unschuldig

Welchen Starter müßte man direkt nach der Veranstaltung in Handschellen abführen?

Wir haben uns für den polnischen Starter Piasek entscheiden. Er benutzt beinhart den Songcontest für Angeberei für sein unglaublich riesiges Gemächt, der Song heißt ja „2 Long" und das Lied war auch zu lang. Also sofort abführen und nie mehr wiedersehen wie die Olsen Brothers

Danach brachte der ORF einen kurzen Ausflug in den Kutscherhof, der Zentrale der grundsätzlich nicht unoriginellen österreichischen Big Brother-Variante:

Aktion Leben präsentiert "Taxi Orange"

Ich beneide eigentlich die Zuhörer von Radio 1 in Berlin, die nicht sehen müssen, was wir hier sehen

Hätte Österreich heuer teilnehmen können, dann hätte sich das ungefähr so angehört (über die zweifelhafte Interpretation des einstigen östereichischen Songcontestbeitrags Nur ein Lied" von "Taxi Orange"-Kandidat Martin Schinagl 

Da würde sich sogar Konrad Lorenz im Grab umdrehen, denn das hätten seine Gänse wahrscheinlich besser gemacht

Freitag, 16. Februar 2001

Christoph & Lollo

Christoph & Lollo präsentieren „Mehr Schispringerlieder"; Virgin Megastore, Wien 16.02.2001


Rechtzeitig zum Start der nordischen WM in Lahti präsentierte das durch die FM4-Show „Salon Helga" zu einiger Prominenz  gelangte Duo Christoph & Lollo im Wiener Virgin Megastore ihr aktuelles Album „Mehr Schispringerlieder". Dank FM4-Powerplay ihres derzeitigen Hits „Funaki" und ihren Auftritten als Support-Act bei der Heinz-Tour hat sich ihre Fangemeinde in nur kurzer Zeit vervielfacht, was bei diesem Promotiongig deutlich erkannbar war, denn selten war dort bei ähnlichen Events der Publikumsandrang dermaßen groß.

Ausgestattet mit Gitarre, Bierflasche, zweistimmigen Gesang  und jeder Menge Understatement und Selbstironie lieferten die beiden den Beweis, daß man auch mit diesen simplen Mitteln tatsächlich die Quintessenz des Rock’n’Rolls glaubwürdiger offerieren kann als so manche überschätzte Alternative Rockband, ganz zu Schweigen von zahlreichen zu unrecht hochgejubelnden „Unplugged"-Alben (natürlich mit Ausnahme von „Unplugged in New York" von Nirvana). Hier stimmt jeder Gitarrenakkord, die raffiniert formulierten und nur oberflächlich trivialen Texte pendeln zwischen Ironie und Melancholie und das gesangliche Spektrum bewegt sich  zwischen Fröhlichkeit und Frustation. Diese Mischung ist für einen Großteil der FM4-Hörerschaft sicherlich äußerst ansprechend und dürfte vermutlich dazu führen, daß so manches Schispringerlied im kommenden Sommer bei Zeltlagern rund ums Lagerfeuer ertönen wird.

Anläßlich dieses Kurzauftitts konnte man mit „Milchgesicht", „Blaz Vrhovniks Schuld", „Bredesen, Espen" und „Ole Gunnar Fidjestoel" einige der zukünftigen Lagerfeuerfavourites hören. Zusätzlich mutierte das auf dem neuen Album befindliche „Pfingstlied" aus Aktualitätsgründen zu einer Huldigung an "Svenke Falkestad", wobei dieser Springer wohl selbst den eingefleischtesten  Hardcore-Schisprungfans nicht geläufig sein dürfte. Natürlich durfte auch „Funaki" nicht fehlen und Christoph & Lollo verpaßten der Hommage an den japanischen Springerstar zusätzliche Lyrics, wobei die Textzeile „In intimen Momenten hört er gern Ö3" für einiges Gelächter sorgte und endlich das Geheimnis gelüftet wurde, warum bislang die ÖSV-Springer von den beiden verschont wurden.

Dieser gelungene Promotionauftritt dürfte zahlreiche schisprungunkundige Virginkunden zu Fans gemacht haben und sollte für die Verkaufszahlen der „Schispringerlieder" nicht abträglich sein. Daß er für die Fans natürlich viel zu kurz war, ist aber nicht „Blaz Vrhovniks Schuld" .

Samstag, 2. September 2000

Plattenbörse Wiener Stadthalle, 02.09.2000

 Nach der langen Sommerpause hatten Plattensammler am 2/3. September 2000 in der Wiener Stadthalle wieder Gelegenheit, sich durch das üppige Angebot an Tonträgern aller Art zu wühlen. Speziell eine große Menge frisch aus den USA importierten Alben in großteils erstklassigen Zustand zum Dumpingpreis von öS 25,- lockte viele an und da konnte natürlich auch ich nicht widerstehen, wie Blondies “Eat To The Beat” und die beiden Bread-Alben belegen. Was ich sonst noch alles gekauft habe verrät ein Blick auf das untenstehende Foto und die dazugehörigen Detailinformationen.

Unlängst stieß auf eine Auflistung der meistgehaßten Hits aus den Siebzigern , in der Jeannette mit „Porque Te Vas" den stolzen achten Platz einnahm.  Würde ich ein derartiges Ranking machen, wäre Jeanette da sicher nicht dabei, denn hier handelt es sich meiner Meinung nach um eine der interessantesten spanischen Produktionen überhaupt. 

ABBA - The Visitors (LP)
Blondie - Eat To The Beat (LP)
Bread - The Best Of (LP)
Bread - The Best Of Vol. 2 (LP)
Gigliola Cinquetti - Non Ho L’eta (Single)
Dauerfisch  - Crime Of The Century (CD)
Hot Butter  -Popcorn (Single)
Jeanette - Porque Te Vas (Single)

Bereits 1974 aufgenommen und aus unerfindlichen Gründen erst 1977 in unseren Breiten ein Hit (A # 13, D # 1) besticht der Song in erster Linie durch Jeanettes prägnante Stimme. Diese ist vergleichbar mit der des ehemaligen französischen Popsternchens Vanessa Paradis („Joe Le Taxi" (1987; D # 8,UK # 3,), „Be My Baby" (1992; A # 19, D # 10, UK # 6; produced by Lenny Kravitz), allerdings ist bemerkenswert, daß Jeanette zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 23 Jahre alt war. 

Aber nicht nur die Stimme macht den Charme dieser Platte aus, sonder die Kombination aus mäßigen Rhythmus,  der sich aber plötzlich und unerwartetet beim Refrain zum Reggae entwickelt, jede Menge Hi-Hat-Einspritzer,  der Tenorsaxophon-Übergang vor jeder Strophe und die bestechend fetten Bläsersätze.  

Nach „Porque Te Vas" konnte sich Jeanette auf der mitteleuropäischen Showbühne nicht mehr durchsetzen und konnte ihre Hits nur mehr auf die iberische Halbinsel beschränken. Keine Ahnung, ob sie später auch in Frankreich gepunktet hat, aber zumindest habe ich mit der Single „Il me plait bien ton frere" (1976) einen Hinweis, warum es mit Nachfolgehits bei uns nicht mehr geklappt hat: Der Song ist eine typisch unoriginelle, Song-Contest-Taugliche Ballade, die höhepunktslos nur so vor sich hinplätschert und nicht einmal Jeanettes Stimme kann daran was retten. Wenn ihre Nachfolgesingles nach diesem Schema gestrickt waren, wundert mich der ausbleibende Erfolg hierzulande nicht im Geringsten.     

Natürlich muß ich zugeben, daß diese Scheibe vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber wie bei so vielen Platten, die ich im Laufe der Jahre angesammelt habe, spielt aber hier ein gewisses Maß an Nostalgie eine entscheidente Rolle ...

(6/10 Musik,  9/10 Nostalgiefaktor)


Junkie XL - Saturday Teenage Kick (CD)
Maggie Mae - I'm On Fire (Single)
Original Fast Remix Poidln - Alle meine Lieda (Maxi)
Pearl Jam - 10 (CD)
Pearl Jam - vs. (CD)
Terranova - Close The Door (CD)
Titanic - Titanic (LP)
Barry White - Can’t Get Enough (LP)
Various Artists - Disco Raritäten Vol. 3 (LP)
Various Artists - Youth Club Classics 1961-63 (CD)


Mittwoch, 18. August 1999

TWO DAYS A WEEK 99, Wiesen, 18./19.August 1999

(Rezension aus 1999)


 1999 war in vielfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Jahr: Die Angst vor dem Millenium-Bug trieb die seltsamsten Blüten, die Sonnenfinsternis warf schon Monate davor ihre Schatten weit voraus und in Österreich wollte man mit "Woodstock 99" neue Maßstäbe in Sachen Festival setzen.

Austragungsort sollte das Flugfeld in Wiener Neustadt sein, das davor Pink Floyd, die Rolling Stones oder U2 bespielten und 2004/05 mit dem "Aerodrome" eine kurze Renaissance erlebte. Trotz angekündigter Topacts wie Metallica kamen aufgrund des schleppenden Kartenvorverkaufs sowohl "Woodstock 99" als auch das als Ersatz geplante „Sundance 99“ allerdings nicht zustande. Glücklicherweise setze sich dieser Trend nicht bei den Festivals in Wiesen fort, wo neben dem mittlerweile traditionellen Forestglade auch erstmals das "Two Days A Week" (für Akronym-Freaks auch bekannt als 2DAW) veranstaltet wurde.

Nachträglich muss man eigentlich froh sein, dass "Woodstock 99" in den USA stattfand, denn dieses Großereignis endete, mittlerweile freilich längst vergessen bzw. verdrängt, in Chaos und Anarchie. Das Inferno begann bezeichnenderweise mit dem Auftritt der Red Hot Chili Peppers, die auch als Headliner beim 2DAW gastieren sollten. Da aber von den bekanntermaßen doch zivilisierten österreichischen Musikfans derartige Tumulte eher nicht zu erwarten waren und auch die anderen angekündigten Bands ein tolles Line-Up versprachen war es eigentlich unumgänglich, sich einen 2-Tages-Paß zuzulegen.

Tag 1

Die Ehre, das 2DAW eröffnen zu dürfen wurde den damals noch völlig unbekannten Garish zuteil, an deren Auftritt sich angesichts der frühen Stunde wohl nur mehr die Bandmitglieder erinnern dürften. Die südburgenländischen Schwermetaller Cameran überraschten mit einer Show, die ihren unbestreitbaren Vorbildern Korn durchaus um nichts nachstand. Als eigentliche Überraschung des ersten Festivaltages entpuppten sich allerdings die Briten Dark Star, die mit ihrem irgendwo zwischen Radiohead und Soundgarden einzustufenden Soundmix vermutlich etliche Festivalbesucher dazu bewogen haben, sich ihr feines Album "Twenty Twenty Sound" zuzulegen. Stimmungsschwankungen verursachten hingegen die britischen Folkrocker Levellers mit ihrer mäßig spannenden Mischung aus Folk und Britpop, die erst bekömmlicher wurde, als sich ein Didgeridoo-Spieler dazugesellte und härtere Klänge angeschlagen wurden.

Nach längerem Soundcheck und einer stolzen Ankündigung des Veranstalters ("Mir san sold out!") sorgten Supergrass mit ihren Britpop/Punkrock-Großtaten „Caught By The Fuzz“, „Mansize Rooster“, "Alright" oder "Sun Hits The Sky" als auch etlichen delikaten Kostproben aus ihrem damals eben erschienen selbstbetitelten Album für den ersten wirklichen Höhepunkt und damit nebenbei auch für die perfekte Einstimmung auf die allseits mit Spannung erwarteten Red Hot Chili Peppers

Die hohen Erwartungen wurden noch übertroffen, denn Anthony Kiedis & Co. begeisterten mit merklicher Spielfreude über 80 Minuten großteils mit dem exzellenten Songmaterial ihrer Alben "Blood Sugar Sex Magik" und "Californication", wobei Gitarrist John Frusciante die Songs phasenweise mit Improvisationen würzte, was die Wirkung von Hymnen wie "Give It Away" oder "Around The World" erheblich steigerte. Da konnte man auch verschmerzen, dass bei "Under The Bridge" hunderte Feuerzeuge das Festivalgelände in ein Lichtermeer tauchten und damit fast schon für eine Band dies Genres eine völlig ungewohnte Stimmung aufkam, die man eher bei Boygroup-Konzerten oder erwarten würde.

Tag 2

Der zweite Festivaltag begann mit den Tiroler Crossover-Heroen Schneiderberg, die angesichts der frühen Beginnzeit fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielten. Ähnliches gilt für die Formation Rosarot, die sich offenbar als österreichisches Pendant zu Bands der Hamburger Schule verstanden, aber aufgrund einer massiven Überdosis an Pathos als auch der übertriebenen Inbrunst des Sängers kläglich scheiterten und so eher für unfreiwillige Komik sorgten.

Die US-Punkrocker Lit sollten laut den Tourdaten auf ihrer Homepage auf dem "Weisen Open Air in Vienna" spielen, hatten aber glücklicherweise doch noch nach Wiesen gefunden, wo sie ihr hierzulande völlig untergegangenes Album „A Place In The Sun“ präsentierten. Rückblickend ist es eigentlich kaum verständlich, dass sich die Band trotz ihres unbestreitbaren Potentials lediglich im kurzlebigen Erfolg ihres einzigen Hits „My Own Worst Enemy“ sonnen durfte.

Weitaus beständiger ist bekanntlich die Karriere von Tocotronic, die nach anfänglichen Tonproblemen den Titel ihres damals gerade aktuellen Hits "Let There Be Rock“ dank ihrer unschlagbaren Hymnen wie „Sie wollen uns erzählen“ oder „Jackpot“ beeindruckend umsetzten und für Begeisterung sorgten.

Weit weniger Publikumszuspruch hatte hingegen die leider viel zu früh verstorbenen Ex-Clash-Legende Joe Strummer und seine Band Mescaleros. Offenbar wusste die Generation der nach 1980 Geborenen, die an diesem Tag überproportional vertreten war, nicht um die richtungsweisende Bedeutung von The Clash, weshalb sich viele stattdessen eine Erfrischungs- oder Erleichterungspause gönnten. Der Zuschauerschwund ging sogar so weit, dass der Veranstalter die Besucher ersuchen musste, etwas zahlreicher zur Bühne zu kommen. Wer dieser Aufforderung nachkam belohnte ein trotz (oder genau wegen) der schütteren Kulisse groß aufspielender Joe Strummer mit Songs aus seinem sträflicherweise unterschätzen Album “Rock Art And The X-Ray Style" und natürlich den unvermeidlichen Clash-Klassikern "London Calling" oder "Rock The Casbah"

Nach dieser Lektion in Sachen klassischer Punk fand die New School of Punk, die Offspring danach inszenierten, ungleich mehr Zuspruch. Bevor es allerdings soweit war musste man einen schier endlosen Soundcheck über sich ergehen lassen, ehe man zu den unschlagbaren Mitsinghymnen wie "All I Want", "Pretty Fly“ oder „Gone Away“ mitgröhlen konnte. Zwischendurch lieferten Offspring einige Überraschungen, etwa einen Kurzauftritt der als Special Guests (wenn auch glücklicherweise nur als Puppen) rekrutierten Backstreet Boys.

„Feelings, for all my life I'll feel it.“ heißt es in der Punkversion der Morris Albert-Schnulze "Feelings", mit der Offspring für einen stimmungsvollen Ausklang des zweiten Festivaltages sorgten und treffender kann man die die in jeder Hinsicht gelungene erste Auflage des 2DAW gar nicht umschreiben. Angesichts des üppigen Line-Ups war es für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Musikfans die Festival-Premiere und deshalb werden es viele nie vergessen.